Bin ich zu introvertiert für Social Media?

Sollten es Social Media Plattformen nicht einfacher machen, mit anderen zu kommunizieren? Liegt es an den Plattformen oder an meinem eigenen Kopf? Bin ich zu introvertiert für Social Media, wenn ich nicht einmal online ins Gespräch komme?

Interaktionen fallen mir schwer

Ich war schon immer introvertiert, dazu noch eher schüchtern und ziemlich selbstkritisch. Ich hatte nie so eine “Sieh mich an, hier bin ich!”-Ausstrahlung wenn ich einen Raum betrete. Mir fällt bereits ein normaler Anruf schwer und noch schwieriger ist es für mich, ein Gespräch zu beginnen. Eigentlich sollten es mir Social Media Plattformen ja einfacher machen, denn so kann ich mich auf der Couch mit anderen unterhalten und muss mir keine Gedanken darum machen, wie ich gerade wirke, ob ich eine komische Mimik habe oder meine Hände seltsam bewege.

Voller Kopf, doch zu introvertiert oder selbstkritisch?

Doch nicht einmal im Internet beginne ich Gespräche oder kommentiere häufig das, was ich in meinem Feed vorfinde. Oft sehe ich, wie andere Nutzer Kommentare wie “Schön siehst du aus” oder “Tolles Outfit!” posten – aber das bin nicht ich. Ich würde gerne mehr schreiben: Wie zum Beispiel was ich denke, wenn ich ein besonderes Bild ansehe oder mehr auf bestimmte Details eingehen, die mich interessieren. Dann denke ich mir wiederum “Wen juckt das jetzt?”, oder “Im Grunde haben die Anderen schon alles gesagt, mein Kommentar wäre überflüssig” und zack, lasse ich es sein und scrolle weiter. Die Kombination aus Introvertiertheit, Schüchternheit und Selbstzweifeln lassen mich manchmal fast glauben, dass ich für den sozialen Teil der Social Media-Welt gänzlich ungeeignet wäre.

Alles eine Frage der richtigen Plattform?

Mit der Zeit habe ich herausgefunden, auf welchen Plattformen ich besser klar komme und auf welchen weniger. So ist Twitter zum Beispiel gar nichts für mich. Ich denke mir, dass das, was ich zu sagen hätte, bestimmt schon zehntausend Mal gesagt wurde und es nicht viel bringt, jetzt auch noch darüber zu posten. Irgendwie spielt dann auch noch dieser Zwang zu antworten, dass man dabei unbedingt witzig oder besonders klug sein muss, mit hinein – ich fühle mich unwohl, so als wäre ich gezwungen, etwas zu sein was ich gar nicht bin. Bei Instagram kann ich hingegen die Bilder für sich sprechen lassen und komme auch mit einer kurzen Caption davon. Wenn ich mehr zu sagen habe, verschiebe ich es auf meinen Blog und fühle mich dabei nicht so unangenehm beobachtet wie bei Twitter.

Mein fester Platz im Internet-Wirrwarr

Mein Blog ist meine eigene kleine Welt, die ich mir – frei nach Pipi Langstrumpf – machen kann, widdewidde wie sie mir gefällt. Auch wenn ich hier ebenfalls oft zweifle, ob es überhaupt noch Sinn macht, oft gesagte Dinge zu wiederholen und meine eigenen Erfahrungen hinzuzufügen, fühle ich mich zumindest nicht gezwungen, mich bestimmten “Plattform-Konventionen” anzupassen. Ich kann schreiben, über was ich schreiben will, so viele Zeichen benutzen wie ich will und eine Pause einlegen wann auch immer ich sie nötig habe. Auf anderen Plattformen könnte nach einer solchen Pause der Algorithmus längst entschieden haben, dass ich jetzt vorerst abgemeldet bin – was ich wiederum mit mehr sozialen Aktionen wieder rausholen müsste, wofür ich mich aber zu introvertiert fühle, besonders wenn meine “sozialen Reserven” für diese Woche schon aufgebraucht sind.

Qualität über Quantität

Zu viele Social Media Kanäle gleichzeitig zu bespielen macht mir einfach zu viel Arbeit, wenn ich ihnen wirklich gerecht werden möchte. Bilder optimieren, Beschreibungen anpassen, die Entscheidung, was ich wo poste. Deshalb habe ich mich auf wenige Social Media Plattformen beschränkt, auf denen ich dauerhaft teilen möchte. Dabei versuche ich zusätzlich, Dopplungen zu vermeiden, um mögliche plattformübergreifende Follower nicht zu nerven. Für mein “Kreativ-Branding” habe ich mich für das eigene Online-Portfolio, Pinterest, Instragram und gelegentliche Postings auf Behance oder Dribble entschieden. Für diesen Blog, also quasi meine “Nachhaltigkeits-Persönlichkeit”, setze ich neben Instagram hauptsächlich auf Pinterest.

Ich bin NICHT zu introvertiert für Social Media!

Offline bringe ich mich schon seit Jahren immer wieder dazu, meine eigene Komfortzone zu verlassen. Inzwischen kann ich sogar relativ gelassen Vorträge oder Referate halten und gerate nicht mehr in Panik, wenn ich mit fremden Menschen sprechen muss. Ich fühle mich offline “nicht mehr zu introvertiert” für dieses oder jenes – das möchte ich jetzt auch online erreichen. Ich werde nie ein Top-Influencer mit Massen von Followern werden – das ist cool, das möchte ich gar nicht sein. Aber ich gelobe Besserung und möchte zukünftig auch online daran arbeiten, häufiger mit anderen ins Gespräch zu kommen und dadurch vielleicht wirklich inspirierenden Gedankenaustausch zu ermöglichen.

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