Die Monster unter unseren Betten

Ihr kennt doch sicherlich noch alle diese vollkommen irrationalen Ängste, die wir als Kinder hatten. Bei dem einen waren es grausame Monster unter dem Bett, bei dem nächsten war es die steile Treppe hinab in den Keller, bei einem anderen waren es Geister um Mitternacht. Egal was sie waren, sie waren da.

Damals und heute

Aber auch heute, obwohl wir lange aus dem Alter heraus gewachsen sind, begleiten uns weiterhin viele Ängste und Sorgen. Wir werden nicht erwachsen und mit einem Mal lösen sich alle unsere Ängste in Wohlgefallen auf. Unsere Ängste verschieben sich und wachsen mit uns, passen sich unserem Erwachsenenleben an. Nun sind es nicht mehr die Monster unter dem Bett, sondern die Monster in unserem Kopf, die uns nachts wachhalten. Jetzt ist es nicht mehr die Kellertreppe im trauten Heim, sondern die dunkle Gasse auf dem Rückweg von der Arbeit. Es sind keine fantasiereichen Geister mehr, sondern die Schatten verpasster Chancen und verlorener Freunde, die uns verfolgen.

Unsere Monster leben und wachsen mit uns, so wie auch wir leben und wachsen.

Ich und meine Monster

Unsere Monster leben und wachsen mit uns, so wie auch wir leben und wachsen. Nicht nur durch unsere Erziehung, sondern vor allem durch unsere eigene Erfahrungen und Erlebnisse, wurden wir zu den Menschen die wir heute sind. Auch unsere Ängste und Sorgen machen einen gewissen Teil unserer Persönlichkeit aus. Wir besiegen ehemalige Ängste, während wir stetig wachsen. Unsere Ängste sind menschlich, deshalb ist es auch vollkommen okay, dass hin und wieder auch neue hinzukommen.. auch wenn wir das nicht unbedingt wahrhaben wollen. Lange schien Angst in der Gesellschaft verpönt zu sein, was genauso schwachsinnig ist, wie die Theorie, dass „echte Männer“ angeblich nicht weinen. Ich habe das Gefühl, dass sich das während der letzten Jahre deutlich verbessert hat. Viele Menschen sind aufmerksamer geworden und sprechen auch selbst offen über ihre Ängste und Sorgen. Nicht nur eine allgemein weit offenere Gesellschaft, sondern auch das Internet mit unzähligen anonymen Foren, haben meiner Meinung nach dazu beigetragen, dass viele Menschen sich inzwischen freier zu ihrer Gefühlswelt äußern können.

Ich will meine Monster nicht besiegen…

Auf der anderen Seite kursieren vor allem im Internet haufenweise Ratgeber dazu, wie man bitteschön mit seiner Angst umzugehen hat. Hier wird einem dazu geraten, sich direkt einweisen und therapieren zu lassen, dort werden Tipps gegeben, wie man innerhalb von drei Wochen ein Angst- und Sorgenfreier Mensch wird. Für mich ist das ein großer dampfender Haufen Bullshit. Natürlich gibt es tiefgehende Ängste, Traumata und psychische Krankheiten, die jemanden in seinem Leben schrecklich einschränken können. Diese sollte man natürlich besser in Kooperation mit professionellen Beratern und Psychologen aufarbeiten. Darüber möchte ich aber gar nicht diskutieren, denn für mich ist das in diesem Fall gar nicht notwendig. Ich möchte noch einmal verdeutlichen, dass Ängste vollkommen menschlich sind. Daran sollte man nicht mit dubiosen Internet-Ratgebern herumschustern und sich vielleicht selbst noch tiefer in die Scheiße reiten, wenn man dann nach drei Wochen doch nicht komplett sorgenfrei ist wie versprochen.

…sondern mit ihnen leben.

Ich versuche, mit meinen Ängsten Frieden zu schließen… und empfehle euch, das selbe zu versuchen. Es werden immer neue Erfahrungen auf euch zukommen, die euch Angst bereiten oder Sorgen hinterlassen. Das könnt ihr nicht beeinflussen, ohne euch dauerhaft im Keller zu verschanzen und nie wieder vor die Tür zu gehen. Akzeptiert eure Ängste, stellt euch ihnen und wachst ganz nebenbei über euch hinaus. Lasst eure Monster zu süßen Monsterchen werden. Angst zu haben bedeutet immer neue Herausforderungen zu finden. Doch ohne diese wäre das Leben auch ziemlich langweilig, findet ihr nicht auch?

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