Minimalismus und Geschenke?

Der Juni dieses Jahres war heftig für mich, denn viele liebe Menschen aus meinem Umkreis haben in diesem Monat Geburtstag – jetzt, Anfang Oktober, geht es schon wieder Richtung Weihnachten. Natürlich möchte man nicht mit leeren Händen dort aufschlagen, gibt hier etwas dazu und besorgt dort noch eine Kleinigkeit. Doch man kann sich dem doch nicht einfach komplett entziehen, oder? Wie vertragen sich Minimalismus und Geschenke?

Minimalismus ≠ Geschenke?

Ich überlege schon länger, wie ich mit Feiertagen, Geburtstagen und sonstigen Anlässen umgehen möchte. Momentan bin ich am minimalisieren und möchte mein Leben nachhaltiger gestalten, doch wie verbindet man Minimalismus und Nachhaltigkeit mit Geschenken? Ich bin kein großer Fan von Feierlichkeiten jeglicher Art, von meinem eigenen Geburtstag schon gar nicht. Mich ganz auszuklinken erscheint mir zu radikal, schließlich bin ich als Mensch ein soziales Wesen und habe die Gesellschaft meiner Lieben hin und wieder doch ganz gern. Andererseits blutet mir das Herz, wenn ich sehe, wie viel Geld wir für eigentlich unnötige Gimmicks verbraten und wie etabliert das in unserer Gesellschaft ist.

Ist weniger nicht mehr?

Jeder will mehr, aber braucht jeder mehr? Jeder möchte mit seinem Geschenk beeindrucken, aber ist das überhaupt nötig? Neuer, teurer, besser, mehr. Konsum, egal wo hin man schaut. Doch sollte weniger nicht mehr sein? Bewusste Beschränkung auf das Nötigste? Fehlanzeige. Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich schon viel zu oft miterlebt, wie im Grunde der letzte Schrott verschenkt wurde. Das möchte ich zukünftig, für mich und indirekt auch für meine Liebsten, ändern.

Mit gutem Beispiel voran

Ich habe mir überlegt, mit einem guten Beispiel voranzugehen. Ich habe bereits bekannt gegeben, dass ich nichts großartiges erwarte, mich über gebrauchte Bücher genauso freue wie über frisch gedruckte und mir zum Beispiel eine Einladung zum gemeinsamen Essen wichtiger ist, als das zehnte Jäckchen im Schrank. Bevorzugt möchte ich schöne Erlebnisse mit meinen Lieben und keine Deko, die später eh nur im Regal verstaubt. Außerdem möchte ich in Zukunft durchsetzen, dass ich nur noch Dinge bekomme, die auch auf meiner Wunschliste stehen. Dinge, die ich mir nicht eben so selbst leisten kann und wirklich benötige. Diese können dann sogar etwas hochwertiger und teurer sein, weil meine Gäste zusammenschmeißen und auf tausend Kleinigkeiten verzichten können. So zumindest der Plan. Bleibt fraglich ob das auf Dauer klappt.. oder ob nach dem nächsten Weihnachtsfest wieder alles vergessen ist.

Ich akzeptiere, dass es unterschiedliche Lebensentwürfe gibt, möchte niemandem meinen aufzwingen und hoffe einfach, dass meine Lieben dann in der Zukunft auch meine Entscheidung für wenigere, aber wertigere Geschenke nachvollziehen können.

Minimalismus und Geschenke = Unmöglich?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und tut sich nicht selten schwer, mit über Jahrzehnten etablierten Traditionen zu brechen. Ich weiß nicht, ob ich meiner Mutter jemals ausreden kann, mir zu jedem Anlass einen Umzugskarton voller Kleinigkeiten zu schicken. Eigentlich ist das schön, weil ich weiß, dass sie das gerne macht und sich nicht dafür verschuldet. Das ist eigentlich alles ganz wunderbar, aber ich möchte das einfach nicht mehr. So viel Zeug an einem Tag… das ist viel mehr als ich mir normalerweise innerhalb von fünf Monaten selbst zulege. Ich habe sie bereits darauf angesprochen, dass so viel eigentlich nicht notwendig ist und trotzdem fand immer wieder eine zusätzliche Kleinigkeit den Weg ins Paket. Aber was soll ich tun? Sie anschreien und schütteln, bis sie es versteht? Das Paket einfach nicht annehmen und zurückschicken lassen? Nein, das könnte ich niemals über mich bringen und würde sie sicherlich verletzen. Ich akzeptiere, dass es unterschiedliche Lebensentwürfe gibt, möchte niemandem meinen aufzwingen und hoffe einfach, dass meine Lieben dann in der Zukunft auch meine Entscheidung für wenigere, aber wertigere Geschenke nachvollziehen können.

Keine Geschenke mehr von mir?

Ist die Konsequenz daraus jetzt, dass ich selbst nie wieder etwas an andere verschenke? Da ich ein Mensch bin, der lieber schenkt als selbst beschenkt zu werden, habe ich mir natürlich auch darüber meine Gedanken gemacht. Einfach alle Geschenke streichen könnte ich nicht, niemals, dafür mache ich anderen zu gerne eine Freude. Niiiiiemals!

Klasse statt Masse!

Wie bei mir selbst rege ich meine Lieben nun dazu an, mir ihre Wunschlisten zukommen zu lassen. So kann ich mich sicher nicht verkaufen und die beschenkte Person bekommt nur Dinge, die sie sich auch wirklich wünscht. Ich möchte nicht von anderen “zugemüllt werden”, also werde ich das auch nicht tun. Wenn mir jemand keine Wunschliste zukommen lassen kann und auch sonst keine besonderen Wünsche verlauten lässt, halte ich mich zurück und orientiere mich an den allgemeinen Interessen dieser Person.

Aufmerksam planen

Ich habe schon immer aufgehorcht, wenn jemand über seine Wünsche gesprochen hat. So wusste ich bisher immer ganz gut, was gut ankommen könnte und auch gewollt ist. Außerdem bin ich darauf umgestiegen, auf hochwertige, faire Alternativen zurückzugreifen und mich um viele meiner Geschenke möglichst früh zu kümmern. So kann ich bequem innerhalb von Sales nach Rabattcodes oder Secondhand-Schnäppchen Ausschau halten oder selbst etwas anfertigen, muss nicht einen Tag vorher in die Stadt hetzen und fördere dadurch mit etwas Glück noch die Nachhaltigkeit.

Wie ist eure Meinung zu dem Thema “Minimalismus und Geschenke”? Wie geht ihr mir „Viel- und gerne-Schenkern“ um, seid ihr schon einen Schritt weiter als ich oder stört euch das gar nicht?

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