Was ist Fast Fashion? Ursachen, Probleme & Lösungen

Hipper, schicker, neuer, schneller – die Modeindustrie ist außer Kontrolle geraten. “Fast Fashion” findet sich in jeder Einkaufsstraße, leider zu Lasten der Umwelt. Doch was genau ist Fast Fashion? In diesem Artikel erfährst du, was die Ursachen sind, welche Probleme dadurch entstehen und wie du persönlich dagegen angehen kannst.

Definition: Fast Fashion

Vom Designer auf den Laufsteg, vom Laufsteg in die Filialen der großen Modeketten. All das in nur wenigen Wochen. Kaum ist die neuste Mode vorgestellt, arbeiten große Modehändler eifrig daran, den jeweiligen Style zu imitieren und schnellstmöglich in die Läden zu bringen – so entstehen schnell mehrere Kollektionen in kürzester Zeit. Und genau das ist auch die grundsätzliche Definition von Fast Fashion: “Mehr Kollektionen in kürzerer Zeit”. Dadurch können Kunden neuste Mode schnell in den Läden finden und günstig selbst erwerben.

Das “Fast Fashion-Problem”

Neue Trends zu günstigen Preisen? Klingt doch ganz gut, oder? Leider nicht, denn genau da liegt das Problem. Es wird produziert und produziert, gekauft und gekauft. Dadurch lässt sich bei “dem Durchschnittskunden” die Entwicklung einer “Wegwerf-Einstellung” beobachten: “Kostet doch nicht so viel, das kann ich mir mal gönnen.” – und das zum Erscheinen jeder neuen Kollektion, mehrmals jährlich. Am Ende landen Tonnen von Textilien im Müll, oft sogar komplett ungetragen. Eine Studie von Labfresh zeigt, dass jeder Deutsche 4,7 Kilogramm Textilabfall im Jahr verursacht. Davon werden 0,4 kg als gebrauchte Kleidung am Markt bleiben und nur 0,5 kg werden durch Recycling dem Produktionskreislauf wieder hinzugefügt. So werden 1,2 kg Textilien pro Person umweltschädlich verbrannt und ganze 2,7 kg landen auf Mülldeponien.

Während das ständig wechselnde Angebot und verlockend günstige Preise Kunden in die Läden ziehen, arbeiten im Hintergrund tausende Menschen für einen Hungerlohn, um das zu ermöglichen. Fast Fashion trägt nachweislich zur Umweltverschmutzung und schlechten Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern bei. Da viele große Modehersteller natürlich möglichst günstig produzieren wollen, führt diese Entwicklung zusätzlich auch zur Verschiebung von Arbeitsplätzen aus der EU in den asiatischen Raum.

Ein weiteres Problem ist der Schutz von intellektuellem Eigentum und dem dreisten Kopieren. In der Vergangenheit haben nicht wenige Designer beklagt, dass große Modeketten ihre Designs kopiert und zu Geld gemacht haben. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das der australischen Designerin Shannon Sheedy, und ihrem Label “The Dharma Door”, deren Design dreist von der Fast Fashion-Kette Mango geklaut wurde.

Ursachen & Folgen

Eigentlich ist es ganz einfach, die Ursachen von Fast Fashion zu benennen. Wir sind alle Schuld – die Konzerne, die sich höhere Profite erhoffen, und die Konsumenten, die regelmäßig preiswert shoppen wollen. Diese Wünsche, das Verlangen nach neusten Trends und möglichst vielen Verkäufen, lässt sich leider nur zu Lasten unterbezahlter Arbeiter*innen und der Umwelt ermöglichen. Fürchterliche Arbeitsbedingungen, Giftstoffe in der Produktion – ein durch und durch dreckiges Geschäft mit ernsthaften Folgen.

Wenn man hinter die Kulissen schaut, ist der Preis für ein 4,99€ T-Shirt doch um einiges höher.

Gravierende Folgen von Fast Fashion

Dieses dreckige Geschäft funktioniert nur, indem in der Produktion und allen verwendeten Materialien gespart wird. Um die steigende Nachfrage nach günstigen Textilien zu bedienen, wird neben Erdöl (für synthetische Fasern wie zum Beispiel das beliebte Polyester) viel Baumwolle nötig. Um für Baumwollnachschub zu sorgen, und dabei möglichst billig einkaufen zu können, werden Regenwälder abgeholzt. Auf den gewonnen Ackerflächen wird dann mit Hilfe eines unglaublich hohen Wasserverbrauchs Baumwolle angebaut, wobei den Bauern nicht sonderlich viel davon bleibt, und zusätzlich gerne mit giftigen Pestiziden hantiert.

Fast Fashion ist umweltschädlich

Leider schaden der Umwelt nicht nur der Baumwollanbau, sondern auch Industrieabfälle, die zum Beispiel über das Abwasser in die Natur geraten und so zur Bodendegradation beitragen. Während der eigentlich heilige Fluss Ganges in Indien immer noch zur Trinkwasserproduktion und zur Bewässerung von Ackerflächen genutzt wird, fließen allein durch die Lederherstellung jeden Tag etwa 50 Millionen Liter Industrie-Abwasser in das Gewässer. Außerdem kommt es durch Fast Fashion zu einer erhöhten Verschwendung von Ressourcen, denn wo viel produziert wird, bleibt auch mehr übrig. Ausrangierte Ware, die nicht mehr von Hilfsorganisationen angenommen werden kann, wird verbrannt, denn die meisten Kleidungsstücke sind so billig, dass es sich nicht mehr lohnt, sie erneut aufzuarbeiten.

Die gesellschaftlichen Folgen von Fast Fashion

Die Modeindustrie ist riesig und schafft jede Menge Arbeitsplätze – doch unter welchen Bedingungen? Gerade in Ländern wie Bangladesch, wo der Billiglohn leider noch immer an der Tagesordnung ist, haben die Moderiesen eine Goldgrube gefunden. Was ist das für ein Job, den man unter katastrophalen Bedingungen ausführen muss?

Verschwindend geringer Stundenlohn, oft keine Festanstellungen, keine Geschwerkschaften geschweige denn Arbeitsschutz, Mutterschaftsgeld oder Rentenansprüche. Die Arbeit mit ätzenden Chemikalien in dunklen und dreckigen Hallen, das ist der Alltag für etwa 4 Millionen Menschen, die in Bangladesch in der Textilindustrie angestellt sind. Doch für was genau? Für das T-Shirt, das am Ende für 4,99€ im Laden hängt und von trendbewussten Konsumenten geshoppt wird. Wenn man hinter die Kulissen schaut, ist der Preis für ein 4,99€ T-Shirt doch um einiges höher.

Vor- und Nachteile von Fast Fashion

Leider ist vielen Konsumenten nicht bewusst, was sich hinter den ordentlich aufgereihten Jeans verbirgt. Doch Fast Fashion hat nicht nur Nachteile, sondern bringt auch einige Vorteile mit. Du solltest dir überlegen, inwiefern die Vorteile die Nachteile überwiegen und wie wichtig dir günstige Trendteile sind. Auch für Geringverdiener und Menschen, die Sozialleistungen erhalten, gibt es inzwischen einige Alternativen. Ohne eine grundlegende Änderung im Bezug auf unser Konsumverhalten können wir nicht so weitermachen.

Vorteile

  • günstige Preise für den Endverbraucher
  • große Auswahl
  • modisch aktuell
  • überall erhältlich

Nachteile

  • umweltschädlich
  • schlechte Arbeitsbedingungen in der Herstellung
  • provoziert Verschwendung, sorgt für mehr Abfall
  • oft nicht langlebig, von geringer Qualität

Mögliche Lösungsansätze

Die umweltfreundliche Antwort auf “Fast Fashion” ist “Slow Fashion”. Wie der Name schon vermuten lässt, bezeichnet Slow Fashion die Wertschätzung des eigenen Besitzes und ist damit auch ein Teil des minimalistischen Lebensstils. Es bringt nicht viel, nur noch faire Kleidung zu kaufen, aber dabei noch immer so massig zu konsumieren wie zuvor. Um Fast Fashion auszubremsen, sind Wertschätzung und reduzierter Konsum die beste Möglichkeit.

Genau hinschauen

Zara, H&M, Esprit, C&A, Mango, Urban Outfitters. Ich denke, fast jeder von uns hat bereits Fast Fashion geshoppt, wenn auch nur unabsichtlich. Zum Glück gibt es mittlerweile schon eine Menge Anbieter, die sich auf faire Mode spezialisieren. Außerdem wächst das Angebot von Secondhand Online Plattformen und Flohmärkten weiterhin an. Wenn wir genau hinschauen, können wir Fast Fashion in unseren Schränken vermeiden.

So kannst du Fast Fashion vermeiden

  • vorhande Kleidungsstücke liebhaben & pflegen
  • auf Qualität statt Quantität setzen, z.B. eine “Capsule Wardrobe” anlegen
  • bewusst konsumieren und weniger einkaufen
  • gebraucht kaufen, wenn immer es möglich ist
  • Kleidung verschenken, tauschen oder verkaufen
  • reparieren, umnähen oder upcyclen anstatt wegzuwerfen

Weiterführende empfehlenswerte Ressourcen zum Thema Fast Fashion

Fazit

Die anfangs gestellte Frage “Was ist Fast Fashion?” lässt sich zusammengefasst so beantworten: Eine wichtige Rolle spielen dabei die immer neuen Kollektionen in geringer Qualität, die zu günstigen Preisen angeboten werden. Dadurch werden die Konsumenten dazu verleitet, häufiger neue Kleidung zu shoppen und dementsprechend auch mehr wegzuwerfen. Ausbaden müssen das die unterbezahlten Arbeiter*innen – und natürlich die Umwelt. Fast Fashion ist ein ernstzunehmendes Problem, das es sowohl aus umwelttechnischer, als auch aus ethischer Sicht, zu lösen gilt.

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