Was ist Slow Fashion? Definition & Tipps für nachhaltigen Konsum

Slow Fashion – Was ist das und was steckt dahinter? In diesem Artikel möchte ich dir die “Slow Fashion”-Bewegung vorstellen und dir einen groben Überblick über einen nachhaltigeren Umgang mit Mode verschaffen.

Was ist Slow Fashion?

“Slow Fashion” ist im Grunde eine Gegenbewegung zu “Fast Fashion”, was den schnelllebigen Modekonsum in der heutigen Wegwerfgesellschaft beschreibt – hier findest du weitere Informationen über das “Fast Fashion”-Problem und damit zusammenhängende Umweltprobleme.

Definition

Die “Slow Fashion”-Bewegung steht, wie der Name schon verrät, für eine Entschleunigung der Modeindustrie. Der Konsum soll verringert und bereits vorhande Kleidung soll länger getragen werden. Der Hauptgedanke hinter “Slow Fashion” ist also die stärkere Wertschätzung von Kleidung und den Menschen, die sie herstellen. Das Ziel ist, bessere Bedingungen für Mensch und Natur zu schaffen. Indem du nachhaltiger mit Mode umgehst und bewusster konsumierst, kannst du im Alltag ein Zeichen gegen den rasanten Modewahnsinn setzen!

Die “Slow Fashion”-Bewegung soll nicht nur die Natur, sondern auch die Menschen entlasten.

Die “Slow Fashion”-Bewegung

Wie bereits beschrieben, richtet sich Slow Fashion vor allem gegen den bösen Trend der “Fast Fashion”. Unter unwürdigen Bedingungen werden mehrere Kollektionen in kürzester Zeit produziert, dabei gelangen Giftstoffe in die Umwelt und wenn etwas übrig bleibt, wird nur ein verschwindend geringer Anteil wirklich recycelt. Da das natürlich ganz und gar nicht nachhaltig oder fair ist, entstand die “Slow Fashion”-Bewegung. Im Gegensatz dazu beschreibt Slow Fashion also nachhaltige Mode, darunter nicht nur fair produzierte Neuware, sondern auch die Nutzung von Second-Hand-Angeboten zur Schonung der Ressourcen.

Mode entschleunigen

Anstelle der kurzlebigen “Fast Fashion”-Trends, setzt Slow Fashion auf Qualität und zeitlose Schnitte. Verringerte Produktionsmengen sorgen für einen geringeren CO2-Ausstoß, beim Bio-Anbau von Materialien verzichtet man auf schädliche Pestizide – wodurch die Umwelt entlastet wird und weniger Müll entsteht. Die “Slow Fashion”-Bewegung soll nicht nur die Natur, sondern auch die Menschen entlasten. Besonders in asisatischen Produktionsländern leiden Arbeiter*innen und Bewohner*innen unter den Folgen der “Fast Fashion”-Industrie. Durch die “Slow Fashion”-Bewegung sollen auch die Löhne angehoben und die Arbeitsbedingungen verbessert werden.

Vorteile von Slow Fashion

Eigentlich bringt Slow Fashion gar keine Nachteile mit – außer vielleicht für die gierige “Fast Fashion”-Industrie, denn wenn weniger konsumiert wird, nimmt man weniger ein. In dieser Liste habe ich die vielseitigen Vorteile für Mensch und Natur gesammelt.

  • Gesundheit – In “Billiglohn-Ländern” wie zum Beispiel Bangladesch schuften Arbeiter*innen unter menschenunwürdigen Bedingungen für die “Fast Fashion”-Industrie. Die “Slow Fashion”-Bewegung fordert neben Umweltschutz auch verbesserte Arbeitsbedingungen im Bezug auf Fairness und Gesundheit.
  • Wasser – Die Verschmutzung von Wasser und damit einhergehender Wasserknappzeit zählt zu den größten Umweltproblemen unserer Zeit. Die “Slow Fashion”-Bewegung verhindert die Ableitung von Abwasser in Flüsse und Seen, schützt so nicht nur die Natur, sondern auch Menschen.
  • Müll reduzieren – Wer bewusster konsumiert und in qualitativ hochwertige Kleidung investiert, vermeidet dadurch auch eine Menge Textilabfall. Im Sinne des “Zero Waste”-Lifestyles kannst du alte Kleidungsstücke noch reparieren, umstylen, upcyceln und ihnen so ein neues Leben einhauchen!
  • Geld sparen – Ja, ein T-Shirt für 4€ erscheint auf den ersten Blick günstig – doch Hand aufs Herz, wie lange halten diese Schnäppchen wirklich, bevor sie auswaschen oder ihre Form verlieren? Wie oft hast du schon lose Nähte gefunden oder plötzlich kleine Löcher entdeckt? Investierst du in qualitative, langlebige Basics, musst du seltener Nachkaufen und sparst damit auf nachhaltige Weise Geld.
  • Minimalismus – Wenn du dich mit Slow Fashion beschäftigst und deinen Konsum überdenkst, entwickelst du ganz nebenbei ein ganz neues Bewusstsein. Somit lernst du mit der Zeit auch, Qualität über Quantität zu schätzen und lebst damit grundsätzlich minimalistischer.

Schätze das, was du besitzt! Wer zu viel hat, verlernt schnell, das Vorhandene wertzuschätzen.

So kannst du zur “Slow Fashion”-Bewegung beitragen

Möchtest du gerne zur “Slow Fashion”-Bewegung beitragen? Super! Ich habe über die Zeit einige Tipps dazu gesammelt, wie du die “langsame Mode” Stück für Stück in deinen Alltag integrieren kannst!

Slow Fashion in deinen Alltag integrieren

Fange bei deiner bereits vorhandenen Kleidung an. Schau, was dein Kleiderschrank hergibt, was du magst und was nicht, was du ausmisten und weitergeben kannst. Werde dir bewusst darüber, was du alles bereits besitzt.

Nicht gleich wegwerfen!

Findest du beschädigte Kleidungsstücke, überlege dir, ob du selbst die nötigen Reparaturen vornehmen kannst. Alternativ kannst du das Kleidungsstück natürlich auch in eine Änderungsschneiderei bringen und es dort verarzten lassen, damit du länger Freude daran haben kannst.

Second-Hand kaufen

Ein wichtiger Bestandteil der Slow Fashion ist Second-Hand Mode. Viele Unikate und schicke Blusen warten auf neue Besitzer, die sie liebhaben! Kaufst du Second-Hand, schonst du nicht nur die natürlichen Ressourcen, sondern kannst auch Geld sparen, wenn du eher weniger Budget zur Verfügung hast.

Verschenken, tauschen, verkaufen!

Klar, es kommt auch mal vor, dass du ein bestimmtes Kleidungsstück nicht mehr tragen magst oder es einfach nicht mehr passt. Bitte nicht wegwerfen! Lade doch ein paar Freund*innen ein und organisiere eine Tauschparty, bei der ihr neue Lieblingsstücke entdecken könnt. Informiere dich über Flohmärkte in der Nähe oder klick dich durch Secondhand-Seiten und schau, ob du es irgendwo verschenken oder verkaufen kannst. Viele gemeinnützige Organisationen nehmen auch gerne Spenden an – informiere dich aber bitte vorher, was gerade wirklich gebraucht wird!

Kleidung aus-und verleihen

Steht ein Fest an und du hast dafür nichts im Schrank? Anstatt gleich ein neues Kleid oder einen Anzug zu shoppen, kannst du dir für einmalige Anlässe auch Kleidung ausleihen! Bei zahlreichen lokalen Geschäften oder Online-Portalen, wie zum Beispiel UNOWN oder RE-NT, gibt es die Möglichkeit, Kleidung auszuleihen oder sogar selbst zum Leihen anzubieten.

Wertschätzen und pflegen

Schätze das, was du besitzt! Wer zu viel hat, verlernt schnell, das Vorhandene wertzuschätzen. Erinnere dich immer wieder daran, deinen Besitz auch zu pflegen. Durch regelmäßige Pflege wie “Auslüften lassen” und “textilschonendes Waschen” verlängerst du die Lebensdauer deiner Lieblingsstücke und sparst dir häufige Neukäufe – und schonst dabei gleichzeitig die natürlichen Ressourcen.

Materialien retten und wiederverwenden

Ganz im Sinne von Slow Fashion: Denke langfristiger! Große Stoffstücke oder Knöpfe einer alten Bluse – du kannst noch eine Menge wiederverwenden! Nähe Stoffstücke um, um sie als Putz- oder Trockentücher weiterzuverwenden. Sammle Knöpfe, damit du im Notfall immer einen ersetzen kannst – vielleicht sieht das Hemd dann noch viel cooler aus? Sei kreativ und experimentiere – es gibt viele Möglichkeiten, Vorhandenes neu zu beleben!

Nachhaltig entsorgen

Okay, manchmal bleibt dir nichts anderes übrig. Komplett ausgeleierte T-Shirts mit Löchern und Flecken, die sich partout nicht auswaschen lassen – machen niemanden mehr glücklich, also weg damit! Absolut unbrauchbare Kleidungsstücke kannst du am besten im Hausmüll oder auf einem Wertstoffhof entsorgen.

Die Sache mit den Altkleidercontainern

Altkleidercontainer finden sich an jeder zweiten Straße und wirken auf den ersten Blick wie eine tolle Möglichkeit, ausrangierte Kleidungsstücke zu entsorgen. Doch die dort eingeworfene Kleidung kommt oft gar nicht dort an, wo sie gebraucht wird. Der Altkleidermarkt wird immer unübersichtlicher, es gibt teilweise auch unseriöse Container, und das bringt damit auch die afrikanischen Textilmärkte in Gefahr.

Möchtest du deine ausrangierten Kleidungsstücke in einen Altkleidercontainer geben, achte darauf, dass die Sammlung eine deutsche Adresse hat und unter einer Festnetznummer zu erreichen ist. Außerdem solltest du dich vorher über die jeweilige Organisation informieren und gucken, wie mit den Spenden umgegangen wird. Seriöse Sammler tragen Siegel wie das “BVSE-Qualitätssiegel“, das “DZI-Spendensiegel” oder das der “FairWertung e.V.“.

Slow Fashion: Tipps für den Einkauf

Brauchst du unbedingt einen Mantel um den kommenden Winter zu überstehen? Sind deine alten Schuhe abgelaufen? Hast du sämtliche Shops und Secondhand-Seiten im Internet abgegrast und es findet sich absolut nichts für dich? Dann investiere besser in faire Mode!

Weitere Informationen zu “Fair Fashion” findest du in diesem Artikel.

Nachhaltige Materialien nutzen

Lässt sich der Neukauf nicht vermeiden, solltest du beim Einkaufen auf umweltfreundliche Materialien achten. Leinen, Hanf, Bio-Baumwolle oder möglicherweise auch Bio-Seide sind nachhaltige Materialien, die auch eine lange Lebensdauer aufweisen. Leder hingegen wird nur in den wenigsten Fällen fair produziert, beim Gerben kommen immer noch oft giftige Stoffe wie “Chrom VI” zum Einsatz.

Regional produzierte Kleidung kaufen

Ein Blick auf das Etikett eines Kleidungsstücks zeigt dir, wo es hergestellt wurde. Im Sinne von “Slow Fashion” solltest du darauf achten, lange Transportwege zu vermeiden. Inzwischen findest du im Internet Listen für fair und umweltfreundlich produzierten Waren aus Europa oder Deutschland.

Unterstütze neue Ideen!

Nachhaltige Modelabels sprießen wie Unkraut aus dem Boden – es werden immer häufiger umweltfreundliche Materialien benutzt und auf regionale Produktion gesetzt. Die meisten grünen Labels sind leider noch recht klein und brauchen Unterstützung, um sich am Markt behaupten zu können. Achte deshalb beim Einkauf auf zertifizierte Labels, um den Fortschritt zu unterstützen.

Achte auf Siegel und Zertifikate

Suchst du neue Kleidung mit guter Qualität aus fairer Herstellung? Vertrauenswürdige, zertifizierte Siegel wie zum Beispiel das “GOTS-Siegel” oder das Siegel der “Fair Wear Foundation” weisen auf nachhaltige Kleidung hin. Das “IVN-Best“-Siegel beispielsweise zeichnet Naturtextilien aus, bei denen vom Anbau bis zum fertigen Kleidungsstück keine Chemikalien zum Einsatz kommen. Weitere Siegel wie “Bluesign“, “Cradle to Cradle“, “Standard 100” von Oeko-Tex und das “Fairtrade“-Siegel helfen dir dabei, nachhaltige Kleidung zu erkennen.

Vegane Kleidung

Vegane Kleidungsstücke erkennst du zum Beispiel am “PETA-Approved Vegan“-Siegel. Das heißt, dass diese Mode ohne tierische Materialien wie Leder, Wolle oder Pelz auskommt. Auf den ersten Blick lassen sich diese Materialien ganz einfach identifizieren – doch auch Knöpfe an Jacken oder Schilder an Jeans können beispielsweise aus Horn oder Leder gefertigt sein. Bevorzugst du vegan Kleidung, gehst du damit auf Nummer sicher und setzt ein Zeichen gegen Tierleid.

Capsule Wardrobe anlegen

Ja, auch das Anlegen einer Capsule Wardrobe kann dir helfen, bewusster zu konsumieren. Mach doch mal den kleinen Test am Ende dieses Artikels und finde heraus, ob eine Capsule Wardrobe was für dich sein könnte. Legst du dir eine Capsule Wardrobe an, beschränkst du dich und kaufst dadurch gezielter und weniger ein. Damit sparst du auch Geld und hast am Ende einen übersichtlichen Schrank gefüllt mit Lieblingsstücken, der dir zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten bietet!

Lass dich inspirieren!

Es gibt so viele Möglichkeiten, selbst etwas zur “Slow Fashion”-Bewegung beizutragen. Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Beitrag einen Überblick darüber verschaffen, wie du deinen Alltag und deinen Konsum etwas entschleunigen kannst – ganz im Sinne unserer Umwelt und der Menschen, die hinter den Kulissen arbeiten.

Hast du bereits Erfahrungene mit “Slow Fashion” gemacht? Hast du noch weitere Tipps, die du teilen möchtest? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

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